Pflegeheim: Eigenvorsorge tut not
Wer auf stationäre Pflege angewiesen ist, muss gut bei Kasse sein. Pflegetagegeldversicherungen bieten finanzielle Sicherheit. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi und das Analysehaus Morgen & Morgen haben auf Basis von zwei Musterfällen die besten Policen ermittelt. Top Tarife im Vergleich.

(Foto: © David L/peopleimages.com – stock.adobe.com)
Pflegefall Pflegekasse: Bedrohlicher Befund!
Mit solider Kassenlage hat das gar nichts zu tun: 500 Millionen Euro Bundes-Darlehen mussten her, damit die Pflegeversicherung 2025 so gerade noch mit einer schwarzen Null abschließen konnte. Dieses Jahr wird‘s nicht besser. Der erwartete Überschuss von 400 Millionen Euro ist eine noch größere Milchmädchenrechnung: Zu den Beiträgen schießt der Bund 3,2 Milliarden Euro zu. „Das ehrliche Ergebnis ist also ein erwartetes Minus von 2,8 Milliarden Euro“, sagt Oliver Blatt, Chef des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung.
Eine Wende zum Besseren ist vorerst nicht in Sicht. Die Beitragseinnahmen steigen 2026 zwar um vier, die Ausgaben aber gleichzeitig um sieben Prozent. Die mit der Pflegereform 2023 beschlossene Dynamisierung von Geld- und Sachleistungen erhöht den Kostendruck zusätzlich. Ob die angekündigte große Pflegerefom bis Ende dieses Jahres gelingt, muss sich erst noch zeigen. Einstweilen ist der Systembefund bedrohlich: Die Pflegeversicherung ist selbst der größte Pflegefall.
Kostenexplosion: Private Absicherung immer wichtiger.
Die Kosten für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen erhöhen sich seit Jahren kräftig: Inzwischen beträgt der Eigenanteil in den ersten zwölf Monaten eines Heimaufenthalts 3245 Euro, meldete jüngst der Verband der Ersatzkassen vdek. Damit sind die Selbstkosten gegenüber dem Vorjahr um knapp 400 Euro gestiegen. Die Anhebung der Zuschüsse der Pflegekasse zum Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) im vergangenen Jahr hat die Dynamik der Kostenentwicklung für Pflegeheimbewohner nur etwas gedämpft. Die Rabatte auf den EEE betragen im ersten Aufenthaltsjahr 15 Prozent, im zweiten Jahr 30 Prozent, im dritten Jahr 50 Prozent und im vierten Jahr 75 Prozent. Bei einem dreijährigen Aufenthalt kommen Betroffene, die heute in ein Pflegeheim einziehen, im Bundesdurchschnitt auf einen Eigenaufwand von rund 100.000 Euro – plus künftige Kostensteigerungen.
Die Kostenexplosion bei der Pflege ist ein gutes Argument für Vermittler. „Die Relevanz einer privaten Pflegeabsicherung ist unbestritten. Sie nimmt vor dem Hintergrund der steigenden Pflegekosten aktuell weiter zu“, sagt Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen. Die renommierte Ratingagentur beobachtet seit Jahren den Markt: „Das Pflegetagegeld ist aktuell die beste Wahl, um die Pflegelücke zu schließen“, sagt Bohrmann.
Kundenfreundlichste Bedingungen für Tagesgeld.
Eine Pflegetagegeldversicherung zahlt den monatlich individuell vereinbarten Tagessatz, sobald der Versicherte einem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet wird. Versicherte müssen keine Belege einreichen, um Leistungen zu erhalten. Das Rating Pflegetagegeld von Morgen & Morgen gibt eine gute Orientierung, welche Tarife die kundenfreundlichsten Versicherungsbedingungen bieten. Basis ist ausschließlich die Bedingungsanalyse der einzelnen Tarife und Tarifkombinationen. Bewertet werden diese anhand von 37 Leistungsfragen. Die von Morgen & Morgen angesetzten Mindestkriterien stellen unter anderem sicher, dass die mit fünf oder vier Sternen gerateten Tarife bei Vorliegen eines Pflegegrades ein Pflegetagegeld zahlen, dass sie die Beiträge bei Eintritt eines Pflegegrades freistellen und bei einer verspäteten Meldung rückwirkend zahlen. Außerdem gewährleisten sie Versicherungsschutz auch bei einem Umzug ins Ausland und halten ihn aufrecht, auch wenn die Mitgliedschaft in der Privaten oder Sozialen Pflegeversicherung endet.
Ranking macht Leistungsspanne deutlich.
Um künftigen Generationen den Gang zum Sozialamt zu ersparen, hat der FOCUS MONEY-Versicherungsprofi Morgen & Morgen gebeten, für zwei Musterfälle die besten Pflegetagegeldpolicen zu rechnen: einen 30-jährigen Mann und eine 50-jährige Frau, die Leistungen für ambulante und stationäre Pflege absichern möchten. Berücksichtigt wurden nur Tarife, die bereits ab Pflegegrad 1 eine Leistung zahlen und mindestens vier Sterne im Rating von Morgen & Morgen erreichen. Alle nehmen Altersrückstellungen vor und gewähren eine Beitragsbefreiung im Leistungsfall, wenn höhere Pflegegrade erreicht werden. In Pflegegrad 5 erhalten beide Versicherte ein Pflegetagegeld von 1500 Euro monatlich.
Im Schnitt zahlt die 50-jährige Frau knapp 96 Euro monatlich für ihre Versicherung – knapp fünf Prozent mehr als 2025. Achtung: Die Spanne reicht von 39,93 Euro (VRK) bis 164,15 Euro (Continentale). Das schlägt sich im Leistungsumfang nieder, stellt Analyst Bohrmann klar: „Generell lässt sich feststellen, dass günstige Tarife vor allem in den Pflegegraden 1 bis 3 mit ihren Leistungen sparen“, sagt Bohrmann. Hier trumpft denn auch die Continentale auf: Als einziger Versicherer zahlen die Dortmunder bereits in Pflegegrad 1 ambulant und stationär monatlich stattliche 750 Euro, ab Stufe 2 sogar 1500 Euro.
Für den 20 Jahre jüngeren Mann sind die Beiträge nahezu stabil geblieben. Sie liegen bei durchschnittlich 43,45 Euro. Allerdings beträgt die Spanne zwischen dem günstigsten Anbieter (VRK) und den teuersten Versicherern (Concordia und Continentale) inzwischen mehr als 45 Euro. Beide bieten aber auch in diesem Musterfall die mit Abstand höchsten Leistungen im ambulanten Bereich.
Die 20 besten Pflegetagegeldpolicen für eine 50-jährige Frau
Eine 50-Jährige möchte ab Pflegegrad (PG) 1 Leistungen für ambulante und stationäre Pflege erhalten. In PG 5 sollen es 1500 Euro monatlich sein. Weitere Voraussetzungen: Beitragsbefreiung im Leistungsfall, Tarif mit Altersrückstellungen und mindestens vier Rating-Sternen. Pro Anbieter wurde der günstigste Tarif gewählt, die Anbieter können auch weitere Kombinationen anbieten. Das Ranking erfolgt zunächst nach Ratingurteil und dann nach Monatsbeitrag.
Erstklassige Versicherer für beide Fallbeispiele.
Für die 50-jährige Kundin gehören die Tarife von VRK, Ideal, HUK-Coburg und Arag mit einem Monatsbeitrag von rund 40 bis 65 Euro zu den preislich günstigsten Angeboten bei gleichzeitig bester Bewertung. Unter dem Durchschnitt bleiben auch die Tarife von Württembergische, Vigo, Allianz und Münchener Verein. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Leistungen – insbesondere bei stationärer Betreuung – bei einigen dieser Tarife geringer ausfallen als bei anderen, die teilweise schon 1500 Euro im Monat an den Versicherungsnehmer überweisen, wenn der sich noch in einer frühen Pflegephase befindet. Wer erwartet, dass sie oder er aufgrund der Familiensituation auf Pflege im Heim angewiesen sein wird, sollte Tarife wählen, die schon ab dem zweiten Pflegegrad 1500 Euro zahlen. Das sind neben Allianz und Württembergische auch R+V, Nürnberger, Generali, Barmenia, Hallesche, Concordia und Continentale. In höheren Pflegegraden sind die Unterschiede geringer. „Bei PG 4 bieten alle Tarife zwischen 1050 und 1500 Euro im Monat“, sagt Bohrmann.
Für den 30-Jährigen kommen die Tarife mit bester Bewertung und günstigsten Prämien unter 40 Euro von VRK, Ideal, Arag, HUK-Coburg, Württembergische, Allianz und Vigo. Auch die Axa bleibt unter 40 Euro, wird aber „nur“ mit vier Sternen geratet. Für den stationären Aufenthalt bieten sich besonders die Produkte von Württembergische und Allianz an. Beide Tarife haben fünf Sterne im M&M-Rating und kosten unter 40 Euro Monatsbeitrag. Sieben weitere Tarife bieten ebenfalls ab Pflegegrad 2 das volle Pflegetagegeld.
Die 20 besten Pflegetagegeldversicherungen für einen 30-jährigen Mann
Ein 30-Jähriger möchte ab Pflegegrad (PG) 1 Leistungen für ambulante und stationäre Pflege erhalten. In PG 5 sollen es 1500 Euro monatlich sein. Weitere Voraussetzungen: Beitragsbefreiung im Leistungsfall, Tarif mit Altersrückstellungen und mindestens vier Rating-Sternen. Pro Anbieter wurde der günstigste Tarif gewählt, die Anbieter können auch weitere Kombinationen anbieten. Das Ranking erfolgt zunächst nach Ratingurteil und dann nach Monatsbeitrag.
Weitere Artikel
Police mit Biss: Zähne blendend versichert
Todesfall: Familie richtig absichern

