Idealer Schutz für den Worst-Case
Die Berufsunfähigkeitspolice schützt vor den finanziellen Folgen nach dem Verlust der Arbeitskraft. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi hat aktuelle Top-Tarife am Beispiel von zwei Musterfällen miteinander verglichen.

(Foto: © Wellnhofer Designs – stock.adobe.com)
Der existenzielle Schutz fehlt häufig.
Das Risiko ist groß: Statistisch gesehen wird jeder Vierte im Laufe des Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig. Wer langfristig ausfällt, muss mit enormen finanziellen Einbußen rechnen. Dennoch verfügen laut einer Civey-Umfrage nur etwa 20 Prozent aller Erwachsenen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
Schuld an der niedrigen Quote dürften auch die vergleichsweise hohen Beiträge sein. Dabei hat sich das Preis-Leistungs-Verhältnis im BU-Segment in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert, wie eine aktuelle Marktanalyse der Ratingagentur Franke und Bornberg zeigt. So sind die Prämien teils deutlich gesunken, während gleichzeitig kundenfreundliche Features wie Nachversicherungsgarantien, AU-Bausteine und großzügige Zusatzoptionen dazukamen.
Absicherung für Ingenieur und Mechatronikerin.
Die Kosten für den wichtigen Existenzschutz sind überschaubar. Das belegen unsere beiden Musterfälle. Ein überwiegend im Büro tätiger 36-jähriger Maschinenbauingenieur zahlt im Durchschnitt rund 78 Euro Nettobeitrag im Monat. Dafür sichert er 2500 Euro BU-Rente ab. Die Bruttoprämie liegt im Schnitt bei gut 111 Euro. Sie umfasst zusätzliche Kosten des Versicherers und kann bei schlechterer Prognose zur Anpassung herangezogen werden. Teurer wird der finanzielle Schutz vor dem Verlust der Arbeitskraft für eine junge Mechatronikerin (28), die zu 100 Prozent körperlich arbeitet: Sie zahlt im Schnitt rund 105 Euro (brutto: rund 152 Euro) im Monat – trotz des früheren Versicherungsbeginns und eines um 1000 Euro geringeren Rentenanspruchs.
Staatliche Almosen – privater Schutz tut not.
Mit einem Anteil von 38 Prozent sind psychische Erkrankungen die häufigste Einzelursache für Berufsunfähigkeit – weit vor Krebserkrankungen (19 Prozent) sowie Skelett- und Bewegungserkrankungen (16 Prozent). Auch bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente gehen mittlerweile über 40 Prozent aller neuen Bewilligungen auf psychische Erkrankungen zurück. Von Letzterer profitieren im Ernstfall aber ohnehin fast nur noch ältere Jahrgänge. Wer nach dem 2. Januar 1961 geboren wurde, bekommt die volle Erwerbsminderungsrente erst, wenn er weniger als drei Stunden am Tag einer Beschäftigung nachgehen kann. Die Zahlungen sind allerdings alles andere als üppig – und liegen bei knapp einem Drittel des letzten Bruttogehalts. Wer drei bis unter sechs Stunden arbeiten kann, erhält nur die halbe Rente.
Einen auskömmlichen finanziellen Schutz gegen dauerhafte Einkommensausfälle durch Krankheit oder Unfälle bietet die klassische BU-Police – auch die Hürden für eine Rentenzahlung sind deutlich niedriger. Der Versicherer leistet die volle BU-Rente, wenn der Kunde oder die Kundin im zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr arbeiten kann. Der Prognosezeitraum liegt in der Regel bei sechs Monaten. Außerdem wird die private BU-Rente nicht auf die staatliche Erwerbsminderungsrente angerechnet, sondern kommt obendrauf.
Analysten justieren Ratingkriterien neu.
Für den Vergleich der BU-Versicherungen hat FOCUS MONEY-Versicherungsprofi die Anbieter wieder auf Basis des aktuellen Produktratings von Franke und Bornberg befragt. Die BU-Experten haben in diesem Jahr ihre Bewertungskriterien erneut modifiziert. Erstmals berücksichtigt das Verfahren die Nachhaltigkeit der Unternehmen und gewichtet die Versicherer-Stabilität stärker als bisher. „Damit reagieren wir auf strukturelle Risiken in einem Markt, in dem Belastbarkeit und Zukunftsfähigkeit zu zentralen Qualitätsmerkmalen werden“, sagt Geschäftsführer Michael Franke. Auch die Anforderungen an Kapitalleistungen bei Leistungseinstellung wurden präzisiert. Außerdem haben die Rating-Spezialisten die Kriterien zur Arbeitsunfähigkeitsklausel und zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit neu gewichtet.
Unterm Strich profitiert die Branche von der Neujustierung der Ratingkriterien. Knapp die Hälfte (46,5 Prozent) der geprüften 190 Tarife erhält nun die zweitbeste Note FFF, 2025 war es gut ein Drittel (34,7 Prozent). Dafür wurden nun etwas weniger Tarife mit der Bestnote FFF+ (hervorragend) ausgezeichnet.
Vergleich unter den besten Tarifen.
Der FOCUS MONEY-Versicherungsprofi berücksichtigt für seinen Tarifvergleich nur Policen mit der Auszeichnung „hervorragend“ (FFF+) oder „sehr gut“ (FFF). Die hier vorgestellten Tarife gehören also zu dem Besten, was der Markt zu bieten hat. Insgesamt haben 22 Versicherer aus dieser Auswahlgruppe an der Befragung teilgenommen (Vorjahr: 18).
BU-Versicherungen gibt es mit oder ohne Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit (AU). Der Versicherer zahlt dann auch bei einer länger andauernden Krankschreibung(z.B. mehr als drei Monate am Stück). Fünf Tarife in den Tabellen beinhalten einen solchen AU-Schutz. Bei anderen Anbietern ist er gegen Aufpreis oder in einer anderen Tarifvariante zu erhalten. Vergleichsweise günstig sind hier die Universa (Premium SBU) und der Volkswohl Bund („BU MODERN“), deren Prämien inklusive AU in beiden Musterfällen unter dem jeweiligen Mittelwert der verglichenen Tarife liegen.
Auch den Bruttobeitrag im Blick behalten.
Die durchschnittliche Prämie ist beim Maschinenbauingenieur im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Beim günstigsten Top-Anbieter, Axa, zahlt der Kunde nur 51,38 Euro netto (Vorjahr: 68,16 Euro). Gleiches gilt für die Unternehmenstochter DBV. „Wir haben eine neue Berufsgruppen-Systematik eingeführt und können somit zahlreiche Berufe im Vergleich zur Tarifgeneration 2025 günstiger kalkulieren“, so Ursula Roeben, Sprecherin bei der Axa. Ein paar Euro mehr zahlen muss jetzt hingegen die Mechatronikerin – und zwar nicht nur bei der Axa (92,70 statt 88,50 Euro), sondern auch im Gesamtmarkt. Im Vorjahresvergleich ist die mittlere Prämie hier um rund acht Euro gestiegen.
Vermittler sollten in der Beratung immer auch den Unterschied zwischen Netto- und Bruttobeitrag thematisieren. Schließlich ist der Bruttobeitrag der Maximalbeitrag, der droht, wenn der Versicherer die Überschüsse, die als Sofortrabatt dienen, nicht mehr erwirtschaften kann.
Kfz-Mechatronikerin: Die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen
Versichert ist eine 28-jährige Kfz-Mechatronikerin, die zu 100 Prozent körperlich arbeitet, mit einer monatlichen BU-Rente in Höhe von 1500 Euro. Die Police läuft bis zum 67. Lebensjahr. Sie ist Nichtraucherin und hat keine Vorerkrankungen. Berücksichtigt wurden in beiden Beispielen nur Tarife mit einem „hervorragenden“ (FFF+) oder einem „sehr guten“ (FFF) Rating von Franke und Bornberg. Das Ranking erfolgte nach der Note des Ratings und dann alphabetisch.
Maschinenbauingenieur: Die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen
Versichert ist ein 36-jähriger verheirateter Maschinenbauingenieur mit Personalverantwortung (100 Prozent Büroarbeit) mit einer monatlichen BU-Rente von 2500 Euro. Der Vertrag läuft bis zum 67. Lebensjahr. Der Versicherungsnehmer ist Nichtraucher und hat keine Vorerkrankungen. Das Ranking erfolgte nach der Note des Ratings und dann alphabetisch.
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