28.12.2021 Branche

Finanzen 2022: Deutsche deutlich weniger zuversichtlich

Corona und kein Ende, dazu rasant steigende Preise – die aktuelle Finanzlage vermiest den Deutschen die gute Stimmung. Das offenbart eine aktuelle Studie der Postbank.

Optimismus sieht anders aus: Nur noch jeder dritte Deutsche glaubt, dass sich seine persönliche finanzielle Situation 2022 verbessern wird. (Foto: Photographee.eu - Fotolia)
Optimismus sieht anders aus: Nur noch jeder dritte Deutsche glaubt, dass sich seine persönliche finanzielle Situation 2022 verbessern wird.
(Foto: Photographee.eu - Fotolia)

Laut Umfrage des Meinungs­forschungs­instituts YouGov im Auftrag der Postbank glauben nur noch 34 Prozent der Bundesbürger, dass sich ihre finanzielle Situation im kommenden Jahr positiv entwickelt. Bei der Erstumfrage im Jahr 2015 blickten noch 60 Prozent der Bundes­bürger wohlwollend auf die Entwicklung von Einkommen, Ersparnissen, Geldanlagen und Ausgaben. Ende 2019 waren es sogar 64 Prozent. Obwohl der Anteil der Optimisten eingebrochen ist, blieb die Zahl der Pessimisten relativ konstant: 2015 lag sie bei 29 Prozent, 2019 bei 24 Prozent und aktuell bei 26 Prozent. Heute bewerten jedoch deutlich mehr Befragte ihre Finanzen neutral – weder positiv noch negativ (2015: zehn Prozent; 2019: elf Prozent; 2021: 37 Prozent).

Inflation als Stimmungskiller

 

Schuld an der jüngsten Entwicklung ist wohl nicht allein Corona. Für Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, war vor allem die zuletzt stark angestiegene Inflation Ursache für den Stimmungswandel: „Da sich Energie stark verteuert hat und das Einkommen mit der Preis­ent­wicklung nicht Schritt halten kann, bleibt weniger Geld für andere Anschaffungen übrig. Gleichzeitig verschärft sich die inflations­bedingte Entwertung von Geld­vermögen.“ Das wirke sich auf das Anlageverhalten aus. „Viele Deutsche parken ihr Geld immer noch auf dem Sparbuch, wo es praktisch kaum Zinsen abwirft“, so Bargel.

Der Experte kritisiert: „Obwohl die Inflation so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, hält die EZB an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Damit riskieren die Währungs­hüter, dass die Inflation weiter ansteigt und sich immer mehr vom Zielwert zwei Prozent entfernt.“ Anzeichen für eine baldige Zinswende im Euroraum gibt es aus Sicht von Bargel nicht.

Frauen besonders stark betroffen



Besonders Frauen scheinen von den ungünstigen Rahmen­bedingungen betroffen zu sein: Zum ersten Mal seit Beginn der Umfragereihe gibt es weniger Optimistinnen (28 Prozent) als Pessimistinnen (30 Prozent). Von den Männern zeigen sich hingegen 39 Prozent zuversichtlich und nur 21 Prozent pessimistisch. „Frauen sind über­durch­schnittlich oft im Niedrig­lohn­sektor beschäftigt und hinken beim Einkommen immer noch in vielen Bereichen hinterher“, erklärt Bargel die unter­schiedliche Haltung. „Sie sind stärker von einer steigenden Inflation betroffen, da sie einen relativ großen Teil ihres Einkommens für den Konsum ausgeben müssen und weniger Geld zum Sparen übrighaben.“

 (Foto: Postbank / © zestmarina)
(Foto: Postbank / © zestmarina)

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