26.05.2020 Sparten/Produkte

Athora-Chef sieht Beitragsgarantien in Gefahr

Ist ein Run-off die richtige Strategie für Lebensversicherer im Umgang mit Altbeständen? Der CEO des Aufkäufers Athora, Dr. Christian Thimann, sieht zumindest wegen der erneuten Absenkung des Höchstrechnungszinses die Finanzierung der Beitragsgarantien durch die Versicherer in Gefahr.

Dr. Christian Thimann ist als CEO der Athora Deutschland Experte in Sachen Lebensversicherung. (Foto: Athora)
Dr. Christian Thimann ist als CEO der Athora Deutschland Experte in Sachen Lebensversicherung.
(Foto: Athora)

Für Dr. Christian Thimann, CEO der Athora Deutschland Gruppe steht der deutsche Lebensversicherungsmarkt vor einem weiteren Umbruch. Auslöser sei die nächste Absenkung des Höchstrechnungszinses, die im kommenden Jahr geplant ist. Diese Prognose traf Thimann in einem Interview mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA). „Die neuerliche Absenkung stellt die Beitragsgarantie in Frage. Daher entsteht daraus so viel Handlungsdruck. Zwischen 0,9 Prozent wie bisher und 0,5 oder gar 0,25 Prozent künftig liegt rein rechnerisch kein allzu großer Unterschied, könnte man meinen. Aber mit einem Rechnungszins von 0,9 Prozent lässt sich gerade noch eine 100-Prozent-Beitragsgarantie darstellen. Mit 0,5 Prozent oder weniger können Versicherer bei den anfallenden Kosten diese Beitragsgarantie nicht mehr aufrechterhalten“, erklärte Thimann.

Lebensversicherungsverträge als Altlast

 

Athora, ein Bestandsversicherer, der von anderen Lebensversicherern bestehende Verträge übernimmt, beobachte eine zunehmende Offenheit für externe Lösungsmöglichkeiten. „Unternehmen, die neues Kapital bereitstellen, sind im Markt willkommen“, so Thimann. Allerdings brauchen die Entscheidungen zu Übertragungen nach seiner Erfahrung viel Zeit. „Die Versicherer überlegen sich das sehr gründlich.“ Die Beurteilung, wie groß das Potential für Bestandsübertragungen in Deutschland ist, falle allerdings schwer. „Es gibt 80 Lebensversicherungen und 130 Pensionskassen. Einige von ihnen stehen unter verschärfter Beobachtung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Situation ist daher heterogen. Einige Unternehmen haben sich wieder stabilisiert. Sie haben sich erfolgreich im Neugeschäft den fondsbasierten Produkten zugewandt oder die Kosten erheblich gesenkt. Andere wiederum beschäftigt die Frage, wie sie mit ihren Altbeständen am besten umgehen, vor allem wenn kein Neugeschäft mehr geschrieben wird“, skizzierte Dr. Christian Thimann die Situation.

Er schätzt, dass sich ein Viertel bis ein Drittel der Versicherer ernsthaft Gedanken darüber machen muss, wie es mit den Altbeständen weitergeht. Das müsse nicht unbedingt ein Verkauf oder eine Bestandsübertragung sein. „Auch eine interne Lösung oder eine Kapitalverstärkung kommen in Frage. Allerdings sind diese Lösungen häufig sehr kostspielig und stehen manchmal im Widerspruch zu notwendigen Investitionen in Neugeschäft“, erklärte Thimann.


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