13.07.2021 Produkte

Pflege-Eigenanteil erreicht Rekordhöhe

Ein Fass ohne Boden? Durchschnittlich mehr als 2100 Euro müssen Pflegeheimbewohner inzwischen aus eigener Tasche bezahlen. Die neue Pflegereform soll Betroffene entlasten. Doch Experten aus allen Lagern bezweifeln die Wirksamkeit der Maßnahmen.

Heimbewohner müssen eine immer größere finanzielle Eigenlast tragen –  die jüngsten Reformen sollen für Entlastung sorgen. (Foto: ©  Peter Atkins - stock.adobe.com)
Heimbewohner müssen eine immer größere finanzielle Eigenlast tragen –  die jüngsten Reformen sollen für Entlastung sorgen.
(Foto: © Peter Atkins - stock.adobe.com)

Es ist eine ewige Baustelle: Seit Jahren versucht die Politik mit Reformen und Reförmchen den steigenden Kosten für die gesetzliche Pflegeversicherung in den Griff zu bekommen. Dabei geht nicht nur um eine gerechte Entlohnung von Pflegekräften, sondern immer auch darum, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen finanziell zu entlasten.

Stationäre Pflege in NRW am teuersten

 

Wie notwendig solche Maßnahmen sind, zeigen die aktuellen Zahlen des Verbands der Ersatzkassen e. V. (vdek). Demnach müssen Pflegebedürftige, die im Heim versorgt werden, pro Monat durchschnittlich 2125 Euro selbst zahlen –  57 Euro mehr als noch zu Jahresbeginn und sogar 110 Euro mehr als Mitte 2020. Damit hat der Eigenanteil ein neues Allzeithoch erreicht. Allerdings variieren die Zuzahlungen je nach Bundesland teilweise erheblich. Am teuersten sind Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 2496 Euro. Den niedrigsten Eigenanteil müssen Heimbewohner in Sachsen-Anhalt mit 1539 Euro im Monat berappen. Darin enthalten sind neben den Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Pflege und Betreuung auch die notwendigen Investitionen in den Einrichtungen. Auch hier sind die regionalen Unterschiede groß. In Niedersachsen etwa stehen 675 Euro reine Pflegekosten 503 Euro Investitionskosten gegenüber – in Brandenburg ist das Verhältnis 850 zu 304 Euro.  

Kinderlose zahlen Teil der Zeche

 

Um gegenzusteuern hat die Große Koalition im Juni eine weitere Pflegereform beschlossen. Sie sieht ab 2022 gestaffelte Zuschüsse für Betroffene vor. Der Eigenanteil für die reine Pflege soll dann im ersten Jahr im Heim um fünf Prozent sinken, im zweiten Jahr um 25 Prozent, im dritten Jahr um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent.
Außerdem wird sich der Bund ab 2022 jährlich mit einer Milliarde Euro an den Aufwendungen der sozialen Pflegeversicherung beteiligen. Finanziert wird das Ganze unter anderem durch deutliche PKV-Zuschläge für Kinderlose ab dem vollendeten 23. Lebensjahr in der gesetzlichen Pflegeversicherung steigt zugleich von 0,25 Prozent des Bruttogehalts auf 0,35 Prozent an.

Kritik von allen Seiten

 

Geht es nach den Einschätzungen von Experten ist, die Reform alles andere als ein großer Wurf. Kritik kommt aus allen Ecken. So bemängelt die „Initiative für eine nachhaltige und generationengerechte Pflegereform”, der auch der Verband der Privaten Krankenkassen (PKV) angehört, dass für die Bezuschussung der Eigenanteile weder eine „ausreichende Gegenfinanzierung” noch eine „nachhaltige Finanzierungsstrategie” vorliege. Dies würde kurzfristig zu steigenden Pflegeversicherungsbeiträgen führen. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), betrachtet die Reform sogar als „Ohrfeige für Betroffene”, die angekündigten finanziellen Entlastungen der Betroffenen würden tatsächlich „sehr bescheiden” ausfallen. Und die Vorstandschefin des Verbandes der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, sagte gegenüber der dpa, diese „kleine Pflegereform” reiche bei weitem nicht aus.


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