ARAG übertrifft eigene Erwartungen
Der Rechtsschutzversicherer ARAG zieht eine erste Bilanz des zu Ende gehenden Geschäftsjahres und zeigt sich hochzufrieden: Fünf Jahre früher als geplant wird der Düsseldorfer Konzern voraussichtlich die Marke von drei Milliarden Euro an Beitragseinnahmen überspringen. Allerdings beanspruchen immer mehr Kundinnen und Kunden Leistungen aus ihrer Rechtsschutzversicherung. Vor allem mit Vermietern und Arbeitgebern kommt es offenbar zunehmend zu juristischen Auseinandersetzungen.

(Foto: ARAG)
Ein Grund mehr zum Feiern: Die ARAG SE kann in diesem Jahr nicht nur auf 90 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken. Der Versicherungskonzern wird im Geschäftsjahr 2025 außerdem seine Wachstumsziele deutlich übertreffen. Mit Beitragseinnahmen von 3,14 Milliarden Euro wächst der Konzern einer ersten Einschätzung zufolge um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreicht damit die Marke von drei Milliarden Euro deutlich früher als geplant. „Das ist ein großer Erfolg. Ursprünglich hatten wir uns diese Marke erst für 2030 vorgenommen“, sagte Vorstandssprecher Dr. Renko Dirksen beim vorweihnachtlichen Pressegespräch in der Düsseldorfer Konzernzentrale.
Hohe Nachfrage nach Produkten
In den vergangenen vier Jahren legte die ARAG laut Dirksen insgesamt um mehr als 50 Prozent zu – ein Beleg für die starke Dynamik des Unternehmens. „Auch bei optimistischer Planung sind wir von langsameren Wachstumsschritten ausgegangen – insbesondere in einem dauerhaft krisenhaften Umfeld“, so der CEO. Dass man das Wachstumsziel vorzeitig erreicht habe, sei auch auf den Erwerb der DAS UK zurückzuführen. Zudem halte die hohe Produktnachfrage – vor allem im Rechtsschutz und in der Krankenversicherung – unvermindert an.
Das deutsche Geschäft wächst im aktuellen Geschäftsjahr voraussichtlich etwas stärker als das internationale: Mit einem Beitragsplus von 13 Prozent werden die Einnahmen auf 1,75 Milliarden Euro steigen. Der Zuwachs beruht weiterhin auf einem Zugewinn an neuen Kunden. Allein bis Ende des dritten Quartals konnte die ARAG über 120.000 neue Kunden gewinnen. International legen die Beiträge um gut 12 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro zu.
Gewinnplus im Kerngeschäft
Das starke Wachstum macht sich auch beim Gewinn bemerkbar: Das versicherungstechnische Ergebnis verbessert sich im Berichtsjahr um 21 Prozent auf 116 Millionen Euro, die Schaden-Kosten-Quote sinkt auf 88 Prozent (Vorjahr: 91 Prozent). Lediglich das Kapitalanlageergebnis fällt mit 148 Millionen Euro geringer aus als im Vorjahr (minus 8,1 Prozent).
Die Segmente tragen unterschiedlich zum Erfolg bei. Das Rechtsschutzgeschäft wächst insgesamt um 10,5 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro. Der Konzern behauptet damit seine Position als weltweit führender Anbieter. In Deutschland steigen die Einnahmen auf 598,2 Millionen Euro, international auf 1,22 Milliarden Euro. Die Krankenversicherung verzeichnet ein Plus von über 18 Prozent und erreicht 886 Millionen Euro, getrieben vor allem durch Vollkostentarife. Das Kompositgeschäft wächst stabil um neun Prozent auf 426 Millionen Euro. Auch die Belegschaft hat sich vergrößert: Mehr als 6400 Mitarbeitende gehören inzwischen zur ARAG, ein Plus von 4,3 Prozent seit Jahresbeginn.
Deutlich mehr Rechtsschutzfälle
Für 2026 erwartet die ARAG weiterhin ein solides Wachstum. „Mit unserem klaren Fokus auf das Rechtsschutzgeschäft und die Krankenversicherung stehen wir genau dort, wo unsere Kunden uns brauchen. Wir sorgen für die Widerstandsfähigkeit privater Haushalte in sehr unsicheren Zeiten“, so Dirksen. Die Zahl der Leistungsfälle im deutschen Rechtsschutz sei bis November auf mehr als 650.000 gestiegen – ein Plus von fünf Prozent. Besonders im Arbeits- und Mietrecht wachse der Unterstützungsbedarf. „Klar erkennbar ist, dass die angekündigten Kündigungswellen in der Automobilbranche und bei ihren Zulieferern beginnen“, stellt Dirksen fest. Im Mietrecht sehe man einen Anstieg in allen relevanten Themen wie Nebenkosten, Mieterhöhungen, Kündigungen wegen Mietrückständen und Eigenbedarfskündigungen. „Ohne Rechtsschutzversicherung können sich Mieter kaum ernsthaft Gehör verschaffen“, sagt Dirksen.
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